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Nachhaltigkeit

Feuer, Klima, Technologie und ein kleiner Schimpanse

Mann und lächelnde Frau mit brennender Hand
Jacob Beautemps und Eveline Metzen

Beim ersten Climate Summit im Berliner Google-Büro war unser Konferenzraum „Dickes B“ bis auf den letzten Platz gefüllt. Und es sollte sich lohnen! Das von Philipp Justus, VP Zentraleuropa, und Eveline Metzen, Direktorin Governmental Affairs, zu Beginn in Aussicht gestellte Feuerwerk an Innovation und Inspiration fand in den kommenden drei Stunden statt. Im wahrsten Sinne des Wortes: Eveline Metzen stellte sich mutig einer „Feuertaufe“ unter fachkundiger Anleitung des Science YouTube Creators Jacob Beautemps (aka Breaking Lab), der anhand von Evelines Hand die Bindung von CO2 in brennbaren Stoffen demonstrierte. [Disclaimer: Die Hand und Eveline haben alles gut überstanden.]

Zwei Frauen auf einer Bühne, eine spricht, die andere hört zu

Kate Brandt (links) und Maja Göpel (Fotos: Lars Hübner)

Technologie und Klimakrise

Schon im ersten Panel der Veranstaltung kam es zu einem Gipfeltreffen von Wissenschaft und Wirtschaft: Google Chief Sustainability Officer Kate Brandt diskutierte mit der Transformationsforscherin Prof. Dr. Maja Göpel die Möglichkeiten und Grenzen technologischer Lösungen im Kampf gegen die Klimakrise. Kate zitierte eine aktuelle Studie, nach der Deutschland ein Viertel seiner Klimaziele bis 2045 mit digitaler Unterstützung erreichen könnte. Daneben forderte Maja Göpel eindringlich mehr Ehrlichkeit und mehr Mut zu „unkomfortablen“ Entscheidungen in der Gesellschaft. Es könne heute nicht mehr darum gehen, immer “mehr” von allem zu haben. Die Frage sei vielmehr, was „gut“ für uns sei. Das wichtigste Instrument für diesen Erkenntnissprung sei unser „Mindset“, unsere Köpfe und unser Verstand, so Maja Göpel.

Was können wir alle zum Klimaschutz beitragen?

Im Anschluss vertiefte Moderatorin Sarah Jennifer Boone mit dem zweiten Panel die Rolle des Individuums in der Klimakrise. Getreu dem Leitmotiv der Veranstaltung #JedeEntscheidungZählt diskutierten Verhaltensökonomin Prof. Dr. Christina Gravert, GreenTech-Festival Co-Gründer Nico Rosberg und Google-Geo-Partnerships-Manager Holger Lüdorf wie wir alle klimafreundlicher leben können. Christina beschrieb, wie sogenanntes „Nudging“ dazu beitragen kann, aus guten Vorsätzen auch entsprechende Taten zu machen. Digitale Tools wie Google Maps können hier helfen, erläuterte Holger Lüdorf, indem zum Beispiel nicht nur Ladesäulen für E-Autos angezeigt werden, sondern auch ob und wann diese verfügbar sind. Nico Rosberg freute sich sichtlich auf sein bevorstehendes GreenTech Festival, auf dem weitere innovative Ideen zum Klimaschutz vorgestellt würden.

Blick ins Publikum, ein Mann spricht in ein Mikrofon

Eckart von Hirschhausen und Ranga Yogeshwar

Auch das Publikum nahm engagiert an der Diskussion teil. Prominente Gäste wie Ranga Yogeshwar und Eckart von Hirschhausen entwickelten in ihren Wortbeiträgen sogar spontan neue Ideen für erweiterte Google-Dienste. Benzin sparen sei ja prima, befand Eckart von Hirschhausen. „Aber was ist mit der Gesundheit?“ Google Maps sollte daher auch anzeigen, wie viele Kalorien man etwa beim Fahrradfahren verbraucht hat. Das würde umweltfreundliches Verhalten noch attraktiver machen, schlug er vor.

Nach seiner eindrucksvollen „Feuer-Demo“ (siehe oben) zeigte „Breaking Lab“-Macher Jacob Beautemps weitere interessante Ideen aus Forschung und Wirtschaft. Darunter das höchste deutsche Windrad (300 Meter), das Potenzial von Aufzügen als Stromspeicher sowie die Potenziale der „grünen“ Energien, Wind und Sonne. Sein Fazit: „Es gibt so viele Ideen da draußen, lasst sie uns nutzen.“

Die Rolle von Politik und Wirtschaft

Das folgende Panel diskutierte die Rolle von Wirtschaft und Politik beim Klimaschutz. Daniela Gerd tom Markotten, Chief Digital Officer der Deutschen Bahn, hatte dafür eigens ein Glas Recycling-Kraftstoff HVO mitgebracht. Dieser werde verstärkt von der Bahn eingesetzt und schaffe bis zu 90 Prozent Emissionsersparnis. Dr. Wieland Holfelder von Google erläuterte das Potenzial von Daten, vom eigenen Haus bis zu landesweiten Netzen. „Was man nicht messen kann, kann man nicht verbessern“, so das Votum des deutschen Entwicklungschefs von Google. Grünen-Chef Omid Nouripour schilderte leidenschaftlich die Schwierigkeiten der aktuellen politischen Arbeit, unter anderem am Beispiel der über fünf Jahre dauernden Genehmigungsverfahren für moderne Windräder. „Wir müssen schneller, schneller, schneller werden”, so Omid Nouripour.

Linkes Bild: Mann auf der Bühne, Rechtes Bild: Mann mit kleinem Schimpansen auf dem Arm

Dirk Steffens auf der Bühne und mit einem Bonobo (Zwergschimpansenart); Foto: Dirk Steffens

Glück, Natur und gute Geschichten

Zum Abschluss des Klimagipfels betrat Naturfilmer und Journalist Dirk Steffens, lange für Terra X (ZDF) und jetzt für GEO (RTL) im Einsatz, die Bühne. Er, der in seinen 30 Berufsjahren über 120 Länder erkundet hat, nahm den Saal mit auf eine faszinierende Reise um den Globus – mit beeindruckenden Videos und Geschichten. „Worum geht es hier eigentlich?“ fragte er das Publikum und gab selbst die Antwort: Glück. Und die Basis dafür sei nun mal eine intakte Natur, dies dürften wir nie vergessen. Seine Begegnung mit einem Bonobo, einem Zwergschimpansen, habe ihm einen Moment reinen Glücks beschert, den er nie vergessen werde. Deswegen rate er allen, rauszugehen, in die Natur, um zu verstehen, was hier auf dem Spiel steht. Denn die Klimakrise wie das Artensterben seien schließlich nur zwei von mehreren bedrohlichen Entwicklungen. Trotz alledem forderte er die Anwesenden auf, positiv nach vorne zu schauen und entsprechende Narrative zu entwickeln. Denn nur mit guten Geschichten ließe sich die Welt verändern, so Dirk Steffens.

Frau und Mann auf der Bühne

Eveline Metzen und Philipp Justus

Sein Vortrag ließ niemanden im Raum unbeeindruckt und so zeigte sich auch Philipp Justus, Googles VP Zentraleuropa, bei der Verabschiedung sichtlich „berührt“. Und versprach, dieses Gefühl auch mitzunehmen, in seine Arbeit bei Google.

So hat der Google Climate Summit eine Vielzahl von Erkenntnissen gebracht. Technologie ist nicht alles. Aber sie kann uns Menschen zumindest helfen, unsere größte Aufgabe, die Bewahrung einer lebenswerten Umwelt, zu bewältigen. Insofern halten wir es am Ende mit Dirk Steffens: „Zum Optimismus gibt es keine vernünftige Alternative.“