Mit KI den Zugang zu Sozialleistungen vereinfachen
Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in einer finanziellen Notlage, sind im Alter auf staatliche Unterstützung angewiesen und scheitern am Ende an der reinen Bürokratie. In Berlin ist dies leider für viele Menschen bittere Realität: Knapp 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner sind auf die Grundsicherung angewiesen. Doch die seitenlangen, komplexen Papierformulare wirken auf viele so einschüchternd, dass schätzungsweise 40 bis 60 Prozent der Berechtigten erst gar keinen Antrag stellen.
Wer den Schritt wagt, steht vor der nächsten Hürde: Über 90 Prozent der Erstanträge werden fehlerhaft oder unvollständig eingereicht, was zu einer Bearbeitungszeit von bis zu fünf Monaten führen kann.
Gemeinsamer Workshop von CityLab Berlin und Google.org
Für uns bei Google.org ist klar: Technologie muss dort ansetzen, wo sie das Leben der Menschen spürbar verbessert. Deshalb haben wir das CityLAB Berlin, Berlins öffentliches Innovationslabor, mit einer Förderung von 1 Million US-Dollar und einem engagierten Team aus neun Google.org Fellows unterstützt, die von Januar bis Juli 2026 sechs Monate lang pro bono an einer Lösung gearbeitet haben.
Somit konnte das CityLAB in enger Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung (SenASGIVA) das Projekt „Beyond Forms“ starten. Das Ergebnis dieser Initiative ist ein KI-gestützter Prototyp (für Smartphone und Desktop), der den klassischen „Formular-Dschungel“ durch einen einfach zu bedienenden, dialogbasierten Assistenten ersetzt.
Bilder-Strecke: In 4 einfachen Schritten zum Antrag
Ein Dialog statt ein Formular-Dschungel: Wie der KI-Assistent funktioniert
Der Prototyp, der als ersten Anwendungsfall die Beantragung der Grundsicherung im Alter erleichtert, basiert auf drei zentralen Säulen, die in eine Benutzeroberfläche (Wizard) integriert sind, die Schritt für Schritt durch den Antragsprozess führt:
- Eligibility-Checker: Nutzerinnen und Nutzer können schnell und unkompliziert prüfen, ob sie überhaupt anspruchsberechtigt sind.
- Document-First: Statt mühsam Daten einzutippen, fotografieren Nutzerinnen und Nutzer Dokumente wie z. B. Mietverträge oder Kontoauszüge einfach mit dem Smartphone ab. Eine integrierte KI analysiert die Nachweise, extrahiert die relevanten Daten automatisch und überträgt sie direkt in das Antragsformular.
- Echtzeit-Hilfe: Bei Unklarheiten während des Prozesses steht ein intelligenter KI-Chatbot in verständlicher Sprache unterstützend zur Seite.
- Den fertigen Antrag runterladen.
Erste Tests zeigen das enorme Potenzial dieser Technologie, sodass die Fehlerquote bei der Antragstellung von 90 Prozent auf bis zu 50 Prozent nahezu halbiert werden könnte. Dies bedeutet nicht nur eine enorme Entlastung für die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch für die stark beanspruchte öffentliche Verwaltung.
Eine technische Blaupause für ganz Deutschland
Uns war von Anfang an wichtig, dass dieses Projekt keine Insellösung bleibt. Die Herausforderungen in der Verwaltung sind schließlich kein reines Berliner Phänomen. Genau aus diesem Grund ist der Prototyp von Grund auf als Open-Source-Lösung konzipiert. Er soll eine technische Blaupause für Kommunen im ganzen Land sein, die sich individuell anpassen und weiterentwickeln lässt.
Das Team aus Google-Fellows und CityLabBerlin
Wie es weitergeht: Premiere auf dem Hoffest
Am 7. Juli 2026 werden wir den Prototyp auf dem Hoffest des Regierenden Bürgermeisters von Berlin am Google-Stand der Öffentlichkeit vorstellen. Wir freuen uns darauf, diese Innovation vor über 4.000 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – darunter auch dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner – live zu präsentieren.
Am 10. Juli 2026 erfolgt dann die offizielle Übergabe des Projekts inklusive des Open-Source-Codes an das CityLAB. Dank der zweijährigen Google.org-Förderung ist sichergestellt, dass das CityLAB die langfristige Integration in die Berliner Verwaltung nahtlos fortführen kann.
Dieses Projekt beweist eindrucksvoll: Wenn Technologie und Verwaltung Hand in Hand arbeiten, können wir bürokratische Hürden abbauen, die Schwächsten unserer Gesellschaft stärken und die digitale Verwaltung von morgen gestalten.