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Google Talk Berlin: “Wie viel Meinung verträgt guter Journalismus?”



Scheint es nur so oder gibt es im Journalismus tatsächlich die Tendenz: Je lauter, desto besser? Und trägt das Internet eine “Mitschuld”, dass im Wettlauf um die pointierteste Meinung journalistische Tugenden manchmal auf der Strecke bleiben? Über diese und weitere Fragen diskutierte am Dienstag ‒ moderiert von Medienjournalist Daniel Bouhs (u.a. ZAPP) ‒ eine Runde prominenter Journalisten im Berliner Google Büro. An die 100 Medienschaffende und Interessierte waren der Einladung von Google, dem DJV Berlin und dem Medienmagazin NITRO gefolgt.


Mehrere Menschen sitzen im Kreis in einem Raum und diskutieren

Von links nach rechts: Ingrid Brodnig (Redakteurin PROFIL, Autorin „Hass im Netz“), Hans-Ulrich Jörges (Kolumnist und stellvertretender Chefredakteur, STERN), Moderator Daniel Bouhs, Teresa Bücker (Redaktionsleiterin EDITION F), Dr. Udo Grätz (Stellvertretender Chefredakteur Politik, WDR) 

Der zunehmende Vertrauensverlust von Teilen der Gesellschaft in die Medien war ein zentrales Thema der Runde. STERN-”Zwischenrufer” Hans-Ulrich Jörges zeigte sich dabei selbstkritisch und ärgerte sich insbesondere über die Tendenz seiner Branche zum “Rudeljournalismus”. Seine Einschätzung: „Wir lügen nicht – wir sind schlampig, denkfaul und ein bisschen propagandistisch.“

Ein Foto zeigt Hans-Ulrich Jörges und Daniel Bouhs im Gespräch

Hans-Ulrich Jörges und Daniel Bouhs

Zustimmung kam von der österreichischen Autorin Ingrid Brodnig. Oft setze man Meinung dann ein, wenn man als Journalist unzureichend recherchiert oder “nichts anderes” habe: “Das ist ein journalistisches Qualitätsproblem.” Gerade deshalb verlangte Teresa Bücker, Redaktionsleiterin bei EDITION F, mehr Kompetenz in der Kommentierung: “Wir brauchen mehr gute Meinung!” Hans-Ulrich Jörges fasste zusammen: “Meinung ist nur dann nicht erlaubt, wenn sie sich als Nachricht ausgibt.” Udo Grätz, stellvertretender Politikchef beim WDR, betonte, dass das Grundvertrauen gegenüber journalistischen Inhalten nach wie vor vorhanden sei und dies entgegen aller Vorwürfe in Richtung “Lügenpresse”.


Ein Foto von Ingrid Brodnig, Redakteurin PROFIL

Ingrid Brodnig, Redakteurin PROFIL

Unterschiedliche Meinungen vertraten die Diskutanten zum Thema Meinungsäußerung in sozialen Netzwerken. Printmann Jörges stellte klar: “Ich bin in keinem sozialen Netzwerk und ich werde nie in einem sein. Ich nehme mir nicht die Zeit, mit hassgetriebenen Menschen zu kommunizieren." Widerspruch von Onlinejournalistin Teresa Bücker: “Das größere Problem sind die Meinungen, die nicht sichtbar sind, weil niemand darüber schreibt.” Auch Ingrid Brodnig kritisierte, dass sich immer mehr Medienhäuser die aufwändige Betreuung von Onlineforen sparen.

Ein Foto von Teresa Bücker, Redaktionsleiterin EDITION F

Teresa Bücker, Redaktionsleiterin EDITION F

Bereits im Vorfeld der Podiumsdiskussion hatten interessierte Journalisten im Workshop mit Isabelle Sonnenfeld, Leiterin Google News Lab DACH, mehr darüber erfahren können, wie sich Google Tools für die journalistische Berichterstattung nutzen lassen. Auf besonderes Interesse stießen dabei - natürlich - die Google Suchtrends zur Fußball-Europameisterschaft. Mit derart fakten-basierter fundierter Meinung gab es dann auch genug Gesprächsstoff beim Get-Together im Anschluss an die Podiumsdiskussion. 

Ein Foto von Isabelle Sonnenfeld, Leiterin Google News Lab in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Isabelle Sonnenfeld, Leiterin Google News Lab in Deutschland, Österreich und der Schweiz 

Im Herbst geht es weiter beim nächsten Google Talk Berlin - mit aktuellen Fragen zur Zukunft des Journalismus.