Blue Skies: Weniger Klimaeffekte beim Fliegen

Wir arbeiten mit der Luftfahrtbranche zusammen, um mit KI die Flugrouten über den Nordatlantik zur Vermeidung von Kondensstreifen zu optimieren. Das reduziert die Klimaeffekte des Flugverkehrs im gesamten transatlantischen Luftraum.


Adam Elman

Head of Sustainability, EMEA


Article's hero media: A plane in the blue sky, white fog (contrails) behind him but cut off by a dotted line

Wenn ihr an einem sonnigen, wolkenlosen Tag nach oben blickt und Flugzeuge beobachtet, seht ihr häufig Kondensstreifen, diese dünnen weißen Linien hinter einem Flugzeug. Diese Wolken entstehen, wenn Wasserdampf um Rußpartikel in den Abgasen von Düsentriebwerken kondensiert. Obwohl sie vielleicht harmlos erscheinen, tragen diese Kondensstreifen zur Erwärmung der Atmosphäre bei; sie alleine machen etwa ein Drittel der gesamten Klimafolgen der Luftfahrt aus. Um der Flugbranche zu helfen, Kondensstreifen zu vermeiden, kündigen wir heute eine neue Initiative an.

Seit der Veröffentlichung unserer ersten Forschungsergebnisse zu KI-gestützten Möglichkeiten zur Minderung von Kondensstreifen haben wir branchenübergreifende Partnerschaften geschlossen. Wir arbeiten mit Fluggesellschaften wie American Airlines, Flugsicherungsorganisationen wie EUROCONTROLs MUAC und Anbietern von Flugplanungssoftware einschließlich FlightKeys zusammen. Gemeinsam zeigen wir, dass die Vermeidung von klimaschädlichen Kondensstreifen sowohl wissenschaftlich fundiert als auch praktisch umsetzbar ist. Unsere KI-gestützten Vorhersagen haben Flugbesatzungen und Fluglotsen geholfen, Flugrouten zielgerichtet anzupassen. Das ermöglicht es, Bereiche, in denen sich Kondensstreifen bilden, zu umfliegen und gleichzeitig im normalen Flugbetrieb zu bleiben.

Flugzeug, das von einer feuchten Schicht in 38.000–40.000 Fuß Höhe auf 36.000 Fuß sinkt und einen Kondensstreifen hinter sich lässt

Infografik eines Flugzeugs, das von einer feuchten Schicht in 38.000–40.000 Fuß Höhe auf 36.000 Fuß sinkt und einen Kondensstreifen hinter sich lässt

Nach dieser Testphase machen wir jetzt den nächsten großen Schritt und weiten unsere Maßnahmen auf die koordinierte Minderung von Kondensstreifen in einem gesamten Flugkorridor aus. Wir starten Operation Blue Skies — die weltweit erste staatlich unterstützte Initiative, Kondensstreifen in der Größenordnung eines gesamten Luftraums über dem Ozean zu vermeiden.

Operation Blue Skies wird im Nordatlantikkorridor durchgeführt, einer der am stärksten frequentierten Flugrouten der Welt, auf die etwa 11 % der globalen Erwärmung durch Kondensstreifen entfallen. Das Programm läuft über 30 Monate, umfasst zwei etwa viermonatige operative Tests und deckt rund 10.000 kommerzielle Flüge über Hunderte von Städten ab.

Durch die Koordinierung der Vermeidung von Kondensstreifen auf Luftraumebene anstatt von Flug zu Flug wollen wir die geschätzten 12 Millionen Tonnen jährliches CO₂e angehen, die mit der Erwärmung durch Kondensstreifen im Shanwick-Luftraum verbunden sind. Davon konzentrieren sich mehr als 1,3 Millionen Tonnen auf den winterlichen Testzeitraum. Diese Initiative ist eine schnelle und skalierbare Ergänzung bestehender Maßnahmen zur Dekarbonisierung im Flugverkehr. Untersuchungen zeigen, dass die Vermeidung von Kondensstreifen die Nettoerwärmung mit bis zu 20-mal höherer Kosteneffizienz als nachhaltiger Flugkraftstoff (SAF) reduzieren könnte.

Kondensstreifen-Vorhersage innerhalb der Shanwick-Oceanic-Region

Karte der Flugverkehrskontrollregionen über dem Nordatlantik und dem Vereinigten Königreich, die KI-gestützte Satelliten-Kondensstreifenerkennung und ein Kondensstreifen-Vorhersagegebiet innerhalb der Shanwick-Oceanic-Region hervorhebt.

Ein wegweisendes Konsortium für globale Wirkung

Die Vermeidung von Kondensstreifen im gesamten Luftraum erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Technologie und Flugverkehrsmanagement. Operation Blue Skies bringt ein weltweit führendes britisches Konsortium mit dem Fachwissen zusammen, um Spitzenforschung praktisch umzusetzen.

Das Programm wird vom britischen Verkehrsministerium (Department for Transport, DfT) finanziert und im Rahmen des ATI-Programms umgesetzt – einer Partnerschaft zwischen dem Aerospace Technology Institute (ATI), dem Department for Business, Innovation, Science and Trade (DBIST) und Innovate UK. Das Konsortium besteht aus Google, NATS, Contrails.org, dem Imperial College London, der University of Cambridge und dem UK Met Office.

Google beteiligt sich auf Pro-bono-Basis und steuert 1,4 Millionen Pfund bei – in Form von Fachwissen in der KI-Forschung, technischen Ressourcen und Recheninfrastruktur –, um offene Klimaforschung zum Wohle der Allgemeinheit voranzutreiben. Dank dieser Investition kann der gesamte staatliche Zuschuss zur Mitfinanzierung unserer Partner aus Wissenschaft, Luftfahrt und Meteorologie in diesem Pilotprojekt verwendet werden.

NATS Air Traffic Control Hub in Prestwick, Schottland

NATS Air Traffic Control Hub in Prestwick, Schottland

Ein Konzept für die Zukunft des Fliegens

Kondensstreifen sind eine der dringendsten, aber auch am ehesten lösbaren Klimaherausforderungen unserer Zeit. Deren Bewältigung erfordert neue Ansätze, die wissenschaftliche Erkenntnisse, fortschrittliche Technologie und operative Innovationen miteinander verbinden. Operation Blue Skies wird zeigen, dass die Lösung des Kondensstreifenproblems praktisch umsetzbar ist, und ein erprobtes Konzept dafür liefern, wie unsere Lufträume organisiert werden können, um die Klimafolgen der Luftfahrt drastisch zu reduzieren.

Wenn ihr Teil der Flugbranche und daran interessiert seid, die Minderung von Kondensstreifen durch Zusammenarbeit oder Teilnahme voranzutreiben, würden wir uns freuen, von euch zu hören. Bitte kontaktiert unser Team, um mehr über die Möglichkeiten einer Beteiligung zu erfahren.