Deutschland kann KI-Nation werden: Wie KI 440 Milliarden Euro Wertschöpfung freisetzen kann
Deutschland steht an einem wirtschaftlichen Wendepunkt. Während die gesamtwirtschaftliche Produktivität zuletzt stagnierte und Deutschland im Global Innovation Index auf Rang 11 abgerutscht ist, zeigt unsere heute vorgestellte Studie einen klaren Weg zurück an die Spitze: Künstliche Intelligenz ist der zentrale Hebel für mehr Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Wachstum.
Die Erweiterung der Studie „Der digitale Faktor“, die IW Consult und die Implement Consulting Group im Auftrag von Google erstellt haben, beziffert das Potenzial auf eine zusätzliche Bruttowertschöpfung von 440 Milliarden Euro bis 2034.
Zwei Pfade zum Wachstum
Das enorme Potenzial setzt sich aus zwei Bereichen zusammen, die sich gegenseitig verstärken:
- Produktivitätsschub (330 Milliarden Euro): Der größte Hebel liegt in der breiten Anwendung generativer KI in Unternehmen und Verwaltung. Wenn wir Aufgaben effizienter gestalten, wird Wachstum wieder skalierbar.
- Innovationskraft (110 Milliarden Euro): Dies umfasst den Aufbau einer eigenen KI-Wertschöpfungskette – von der Infrastruktur über Modelle bis hin zu neuen Produkten.
Bisher haben wir bei KI vor allem betrachtet, wie sie bestehende Prozesse effizienter macht – also Produktivitätsgewinne in Verwaltung, Industrie und Dienstleistungen. Hieraus ergibt sich der erste Bereich mit 330 Milliarden Euro. Neu ist der zusätzliche Blick auf Innovation. Denn KI beschleunigt nicht nur Bestehendes, sondern ermöglicht auch neue Innovationen, etwa Produkte, Technologien oder Geschäftsmodelle. Dieser Bereich war im vergangenen Bericht nicht enthalten. Unsere neue Analyse zeigt nun, dass dieser Effekt weitere 110 Milliarden Euro an Wertschöpfung erzeugen kann.
Deutschlands „Hidden“ Vorteil: Industrie trifft KI
Anders als reine Software-Nationen hat Deutschland ein einzigartiges Fundament, um dieses Potenzial zu heben: Unsere industrielle Stärke und die Weltmarktführer im Mittelstand („Hidden Champions“).
Besonders im Bereich Forschung & Entwicklung (F&E) kann KI als Turbo wirken. Die Studie zeigt, dass KI-Einsatz F&E-Prozesse um 10 bis 15 Prozent effizienter machen kann. Das bedeutet schnellere Innovationszyklen und geringere Kosten – ein entscheidender Vorteil für den Standort Deutschland, der bei Patentanmeldungen weltweit immer noch auf Platz 2 liegt.
Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, sagt: „Künstliche Intelligenz ist weit mehr als ein Instrument für Effizienz. Ein weiterer zentraler ökonomischer Wert liegt im Innovationseffekt: KI beschleunigt Forschung und ermöglicht neue Produkte und Geschäftsmodelle. Diese Innovationskraft entscheidet darüber, ob Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich sichern kann.“
Mut zur Anwendung
Um das 440-Milliarden-Euro-Potenzial zu realisieren, ist jetzt Handeln gefragt, also „Mut zur Anwendung“. Unternehmen sollten KI nicht länger nur beobachten, sondern in ihre Kernprozesse integrieren.
Gleichzeitig braucht es starke Ökosysteme: Innovative Start-ups und digitale Unternehmen können geschätzt 30 bis 40 Prozent zum KI-Innovationspotenzial beitragen. Leuchtturmprojekte wie der IPAI in Heilbronn zeigen bereits, wie Industrie, Forschung und Start-ups erfolgreich vernetzt werden können.
Die Chance für eine „digitale Dekade“ liegt vor uns. Wir hoffen, dass die von uns beauftragte Studie des IW einige wichtige Impulse gibt.
Mehr erfahren: Alle Ergebnisse und die Methodik gibt es unter: der-digitale-faktor.de.