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Datenschutz ist eine persönliche Sache – Werbung auch

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Seit fast vier Jahren arbeitet Natalia Krylova als Software Engineer bei Google in München und ist damit auch von Beginn an dabei, als 2019 das Google Safety Engineering Center (GSEC) eröffnete. In ihrer Rolle unterstützt sie Menschen weltweit dabei, passende und individuelle Einstellungen zum Beispiel im Bereich personalisierter Werbung zu treffen.

Liebe Natalia, du hast im Oktober 2018 deinen ersten Arbeitstag bei Google gehabt. Erzähl uns kurz, wie es dazu gekommen ist.

Um ehrlich zu sein, kann ich mich nicht mehr genau erinnern, wann die Entscheidung bei mir fiel, dass ich bei Google arbeiten möchte. Aber es war, bevor ich überhaupt angefangen habe zu studieren. Ich glaube, ich habe mal ein Video über Google Büros und Mitarbeiter:innen gesehen und dachte mir: „Das sieht nicht nur nach einem coolen Arbeitgeber aus, sondern auch nach einem Ort, an dem ich an Produkten für Millionen von Menschen weltweit arbeiten kann.” Ich habe mich zwei Monate, nachdem ich angefangen habe coden zu lernen, bei Google um ein Praktikum beworben – ohne Erfolg… Ein halbes Jahr später habe ich aber eine weitere Chance bekommen und dann hat es geklappt! Es war genauso cool, wie ich es mir vorgestellt habe und so habe ich nur vier Wochen nach meinem Bachelor-Abschluss am Karlsruher Institut für Technologie bei Google als festangestellte Mitarbeiterin meine Arbeit aufgenommen.

Dein Titel ist Software Engineer. Was genau ist dein Schwerpunkt und wie sieht dein Alltag aus?

Die übergeordneten Themen sind Datenschutz & Privatsphäre und damit Bereiche, die nicht nur für uns als Unternehmen unfassbar wichtig sind, sondern auch für alle Nutzer:innen. Es motiviert mich sehr, dass ich mit meiner Arbeit die Möglichkeit habe, genau hier einen positiven Einfluss darauf zu haben, wie Nutzer:innen unsere Produkte und Funktionen in diesem Bereich erleben. Ich habe bereits eine Reihe von verschiedenen Projekten im GSEC geleitet – seit kurzem führe ich ein Team, das sich um ein gutes Nutzererlebnis kümmert, wenn es um Datenschutzeinstellungen in unseren Produkten geht. 99 % meiner Arbeit geht dabei Hand in Hand mit anderen Teams, was ich wirklich gerne mag. Das heißt, ich arbeite nicht nur mit Entwickler:innen, sondern auch Produktmanager:innen, Nutzerforscher:innen, Texter:innen und anderen Kolleg:innen zusammen. Ich finde es total spannend zu sehen, wie sich eine erste Idee zum finalen Produkt weiterentwickelt und wünschte, jeder könnte sehen, wie viel Zeit und Gedanken wir bei Google in scheinbar kleine Dingen stecken. Ein Beispiel: Jedes Wort in einem Produkt wie dem Google Konto wird sorgfältig gewählt und getestet, um sicherzustellen, dass wir mit unseren Nutzer:innen so kommunizieren, dass es für sie verständlich ist. Durch meine verschiedenen Aufgabenfelder – selbst coden, strategisch mit anderen Teams zusammenzuarbeiten und ein Team zu leiten – ist mein Alltag ziemlich bunt und selten der gleiche.

Was ist dein ganz persönliches Ziel für deine Arbeit?

Ich spreche immer mal wieder mit meinen Eltern über Privatsphäre im Internet und dabei wird mir jedes Mal bewusst, wie wichtig es ist, dass Privatsphäre bereits von den ersten Entwicklungsschritten eines Produkts an mitgedacht wird und integriert ist. Aber auch, dass Nutzer:innen sich sicher fühlen und verstehen, was passiert, wenn sie konkrete Einstellungen vornehmen. Ich denke, die meisten – vor allem jüngeren Menschen – wurden schon mal von ihren Eltern gefragt: „Was mache ich mit dieser E-Mail? Ist es okay, auf den in der E-Mail blau hinterlegten Button ‘Akzeptieren’ zu klicken?“. Ich helfe meiner Mutter bei solchen Themen immer wieder – was vollkommen in Ordnung ist. Aber mein Ziel ist es, dass jeder und jede sich damit sicher fühlen sollte, solche Entscheidungen für sich selbst treffen zu können. Wir alle sollten die Kontrolle darüber haben, wie unsere Daten verwendet werden. Wir als Unternehmen geben unseren Nutzer:innen hilfreiche und personalisierte Funktionseinstellungen an die Hand, die – je nach Anwendung – auf Nutzerdaten basieren können. Gleichzeitig verstehen wir, dass Datenschutz eine persönliche Sache ist. Etwas, das eine Person als vorteilhaft empfindet, kann für eine andere Person aufgrund der Daten, die sie mit uns teilen müsste, etwas sein, mit dem sie sich nicht wohl fühlt.

Ein Foto zeigt Natalia Krylova einen Gang entlang laufen

Natalia Krylova ist seit 2018 bei Google in München als Software Engineer tätig.

Kannst du uns ein Beispiel dafür nennen?

Klar, schauen wir uns den Bereich der Werbeeinstellungen im Google Konto an. Nehmen wir eine Person, die im Netz nach neuen Laufschuhen recherchiert. Diese Person empfindet personalisierte Werbeanzeigen – sprich Anzeigen zugeschnitten auf ihre persönlichen Präferenzen – als sehr hilfreich und wertvoll. Eine andere Person wiederum stört sich aber genau an diesem Punkt und präferiert keine Werbeanzeigen zu Laufschuhen, obwohl auch sie im Web nach Schuhen sucht. Im Google Konto kann genau diese Präferenz eingestellt. Da es aber nicht nur „mag ich“ oder „mag ich nicht“ gibt, haben wir auch eine Lösung für alles dazwischen entwickelt: Nutzer:innen können im Google Konto sehr detailliert einstellen, auf welchen Daten die personalisierte Werbung basieren soll und damit zum Beispiel auch bestimmen, ob Schuhe dabei eine Rolle spielen sollen oder nicht.

Aus was für Daten setzen sich denn die Einstellungen für personalisierte Werbung zusammen?

Grundsätzlich basiert personalisierte Werbung auf im Google Konto gespeicherten Informationen. Hieraus ergeben sich Interessensbereiche oder demografische Merkmale, die für personalisierte Werbung herangezogen werden. Ein Beispiel: Hat eine Person die Speicherung von Web- und App-Aktivitäten aktiviert, wird hier der Suchverlauf gespeichert. Aus besuchten Webseiten im Netz ergeben sich dann Interessen, wie zum Beispiel „Fotografie“, die als Kategorie im Bereich für personalisierte Werbung gespeichert werden und dort auch für Nutzer:innen einsehbar und veränderbar sind. Nutzer:innen können übrigens ebenso einstellen, dass personalisierte Werbung komplett deaktiviert wird. Ein weiteres Beispiel für die Datenbasis für personalisierte Werbung sind demographische Daten, wie zum Beispiel das Alter oder das Geschlecht, wenn sie im Google Konto angegeben wurden. Es gibt aber auch Themen, die hier ganz klar nicht einbezogen werden. Dazu zählen Religionszugehörigkeit, sexuelle Orientierung oder Bezüge zum Thema Gesundheit. Um personalisierte Werbung in Zukunft so zu gestalten, dass die Privatsphäre der Nutzer:innen noch besser geschützt wird, arbeiten wir übrigens gemeinsam mit Partnern aus der Industrie an einer neuen Lösung, die 2023 eingesetzt werden soll.

Wann hast du deine Einstellungen das letzte Mal angepasst?

Ich habe zwar erst vor kurzem mal wieder in die Einstellungen für personalisierte Werbung geschaut, aber tatsächlich keine Änderungen vorgenommen – zum einen, weil die gelisteten Kategorien passend waren, und zum anderen, weil ich mit den Anzeigen, die ich beim Surfen sehe, einverstanden bin. Ich bin von personalisierten Anzeigen überzeugt und empfinde sie als hilfreich – sie vermitteln mir eine Art Komfort bzw. Service. Wenn ich stattdessen eine Anzeige zu etwas völlig Irrelevanten sehen würde, würde ich mich persönlich daran stören.

Was wird es dieses Jahr noch an Änderungen im Google Konto geben?

Eine Funktion, an der wir aktuell intensiv arbeiten, ist das sogenannte Mein Anzeigen-Center. Das haben wir auf der Google I/O im Mai dieses Jahres bereits angekündigt. Damit möchten wir es Nutzer:innen noch einfacher machen, die für sie richtigen Einstellungen zu treffen, also Anzeigen, die sie auf YouTube, in der Google Suche und in ihrem Entdecken-Feed sehen, zu verwalten. Dann wird es zum Beispiel auch möglich sein, auszuwählen, welche Anzeigen sie häufiger oder seltener sehen möchten. Ich bin schon sehr auf das Feedback der Nutzer.innen gespannt!

Vielen Dank für das Gespräch, Natalia!