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Googler

„Die Neugier auf andere Kulturen eröffnet unendlich viele Karrieremöglichkeiten.“



Hallo ihr beiden, stellt euch bitte einmal vor. Was macht ihr bei Google? 

Felicia: Mein Name ist Felicia A. Iyamu und ich bin Product Marketing Manager. Das bedeutet, dass ich Googles Consumer-Produkte wie beispielsweise Commerce, Google Pay, Google Maps und Google Assistant für Deutschland, die Schweiz und Österreich betreue.

Jason: Mein Name ist Jason Harper und ich bin Real Estate Project Executive. Ich vertrete Google als „Bauherr“ für unsere Büroausstattungen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Ich beauftrage Architekt:innen, Ingenieur:innen, Baufirmen und andere, um leere Büroflächen in ein Zuhause für unsere Google-Mitarbeiter:innen zu verwandeln. Wer schon einmal das Google-Büro in Hamburg besucht hat, wird gesehen haben, was mich dort beschäftigt. Neben Hamburg war ich als „Bauherr“ für die Google-Büros in Dubai, Johannesburg, Zürich und vielen anderen unterwegs.


Ihr wurdet beide in den USA geboren und lebt jetzt in Deutschland. Was ist der Hauptunterschied in der Google-Kultur zwischen den USA und Deutschland?

Jason: Diese Frage erinnert mich an die „Royale mit Käse“-Szene aus dem Film „Pulp Fiction“. Sowohl die USA als auch Deutschland sind wohlhabende, demokratische westliche Länder; es gibt also keinen Hauptunterschied, jedoch eine sehr lange Liste von kleinen Unterschieden. Im Zusammenhang mit dem Juneteenth gibt es einen auffälligen Unterschied in der Art und Weise, wie die Deutschen und Amerikaner mit ihrer Geschichte umgehen: Deutschland geht offen und ehrlich mit seiner Vergangenheit um; die Vereinigten Staaten befinden sich jedoch noch immer in einem ständigen Zustand der Verleugnung.

Felicia: Ich wurde in den USA geboren, denn meine Eltern sind beide in ihren frühen Zwanzigern nach New York City eingewandert. Die Art und Weise, wie sie ihr Leben mit Engagement, Leidenschaft und Ehrlichkeit aufgebaut haben, hat mich von klein auf inspiriert, und sie haben mich ermutigt, die Welt und verschiedene Kulturen zu verstehen und zu schätzen. Dank Google habe ich tatsächlich auf drei Kontinenten gearbeitet: Mountain View (USA), Singapur (Asia Pacific) und Berlin (Europe). Diese Akzeptanz von und Neugier auf andere Kulturen auf der ganzen Welt hat mir unendlich viele Karrieremöglichkeiten eröffnet.


Was habt ihr gemacht bevor ihr zu Google gekommen seid?

Felicia: Ich habe meine Karriere immer von Tag zu Tag gestaltet. Die Leute sind davon oft überrascht, wenn man bedenkt, wie viel „Erfolg“ ich in meiner Karriere hatte. Ich liebe es, jeden Tag etwas Neues zu lernen. Ich habe an der Brown University Wirtschaftswissenschaften studiert, in meiner Freizeit zusätzliche Kurse in Religionswissenschaften, Informatik, Tanz, Deutsch und mehr belegt. Ich habe sogar sechs Monate lang in Berlin studiert. Gestartet habe ich in Houston, Texas und New York City bei Goldman Sachs im Investmentbanking. Ich habe Analysen und Abschlussberichte für Fusionen und Übernahmen, Veräußerungen und Finanzierungen von erneuerbaren Energien, Öl & Gas und Infrastruktur, wie beispielsweise den Chicago Skyway, erstellt. Das war in den ersten drei Jahren großartig für mich, da es meine analytischen Fähigkeiten stärkte und mir beibrachte, wie man mit Führungskräften (Managing Directors, CEOs, CFOs von Fortune-500-Unternehmen) umgeht. Letztendlich fehlte mir aber etwas. Ich wollte innovativ sein – ich selbst als Person als auch im Job. Ich wollte gern zu 60 Prozent analytisch und zu 40 Prozent kreativ arbeiten. Die Anstellung bei Google als Business-to-Business Associate Product Marketing Manager (APMM) in Mountain View, Kalifornien, hat mir genau das ermöglicht – nach meinem Umzug nach Singapur habe ich den Bereich gewechselt und als Business-to-Consumer Product Marketing Manager gearbeitet. Ich liebe unsere Google-Produkte, daher habe ich das Gefühl, dass ich die perfekte Rolle für mich gefunden habe.

Jason: In meiner Karriere ging es ein bisschen drunter und drüber. Zuerst habe ich Mathematik und Deutsch am St. Mary's College of Maryland studiert, danach Architektur an der Washington University in Saint Louis, Missouri. Während meines Studiums in Saint Louis habe ich ein Auslandssemester an der University of kwaZulu-Natal in Durban, Südafrika, absolviert. Das war fantastisch (und ich lernte, worauf es bei einem guten, qualitativ hochwertigen lokalen Design für das Büro in Johannesburg ankommt). Südafrika hat mir so gut gefallen, dass ich nach der Universität einen Job in einem Architekturbüro in Kapstadt bekommen habe. Meine Absicht war eigentlich, für immer in Kapstadt zu bleiben, aber damals war ich deutlich unorganisierter als heute und verpasste eine Frist zur Verlängerung meines Arbeitsvisums, sodass ich plötzlich das Land verlassen musste. Ich ging zurück nach Baltimore und konnte als Bauprojektmanager im National Aquarium arbeiten (als Teenager hatte ich hier bereits im Ticketverkauf gearbeitet), wo ich mir meine Zähne im Projektmanagement ausgebissen habe. Dann lernte ich meinen (deutschen) Mann kennen, lustigerweise über gemeinsame Freunde aus Kapstadt. Nachdem wir geheiratet hatten, zog ich 2003 nach Deutschland und fing im folgenden Jahr bei Google an.


Jason, du arbeitest seit über 17 Jahren bei Google. Was hat sich seit deinem Start in 2004 am meisten verändert?

Jason: Vor allem die Unternehmensgröße! Als ich anfing, gab es weltweit etwa 1.500 Googler, jetzt sind es allein in Deutschland mehr. Hinzu kommt, dass das Wachstum nicht nur in der Anzahl der Googler besteht, sondern auch in der Anzahl der Standorte. 2004 gab es nur in einer Handvoll Städte Google-Büros. Jetzt sind wir auf allen Kontinenten außer der Antarktis vertreten. Am meisten erstaunt mich aber, dass die Google-Kultur und die Atmosphäre immer noch so intakt sind wie damals, unabhängig davon, wo man sich befindet oder wie viele Googler es gibt. Da mein Job mich in viele unterschiedliche Büros führt, habe ich das aus erster Hand gesehen und es beeindruckt mich immer wieder.


Felicia, du hast erwähnt, dass du für Google in Mountain View, Kalifornien und Singapur gearbeitet hast. Wie funktionieren diese internen Standortwechsel?

Felicia: Mein Wechsel von Mountain View nach Singapur war ziemlich nahtlos, da das Google APMM-Programm solche Wechsel nach einem Jahr ermöglicht. Mein zweiter Wechsel von Singapur nach Berlin war etwas schwieriger. Am Ende hat es aber perfekt geklappt und ich bin für immer dankbar. Ich habe vor fast zehn Jahren in Berlin studiert und habe noch viele Freunde, die hier leben. Außerdem spreche ich mittlerweile fließend Deutsch und das fühlt sich wirklich gut an.


Jedes Jahr am 19. Juni feiern wir „Juneteenth" – zum Gedenken und zu Ehren der Emanzipation derjenigen, die in den Vereinigten Staaten versklavt wurden. Warum ist es für euch wichtig, an diesem Tag über die Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe oder Herkunft zu sprechen?

Jason: In den vergangenen Jahren ist es dank der meisten Leute, die mit einer Videokamera in der Tasche herumlaufen, unmöglich geworden, den systemischen Rassismus, der in den Staaten existiert, zu ignorieren. Im Nachhinein war ich entweder zu naiv, um es zu bemerken, oder zu gutgläubig, um zu erkennen, dass es so eigentlich nicht sein kann. Vielleicht liegt es auch an meinem Alter, oder, was wahrscheinlicher ist, es liegt daran, dass ich die erschütternden Videos von Polizeibrutalität und rassistischer Ungerechtigkeit im ganzen Land sehe, auch in meiner Heimatstadt Baltimore. Was auch immer der Grund ist, ich finde, der einzige Weg, eine Veränderung herbeizuführen, darin besteht, offen und ehrlich darüber zu sprechen, was geschehen ist, was noch geschieht und was geschehen muss. Nur dann können die Dinge auch verbessert werden. Der Juneteenth ist zwar eine hervorragende Gelegenheit dazu, aber das sollte eigentlich auch jeder andere Tag des Jahres sein.

Felicia: Es ist wichtig, dass die Welt, egal wo wir sind, für Systeme sensibilisiert ist, die Menschen unterdrücken und das schon seit Jahrhunderten. Wir sollten uns wohlfühlen, um über Widrigkeiten und Ungleichheit zu diskutieren und sie zu verstehen. Denn letztendlich unterdrückt sie uns alle, unabhängig von unserer Herkunft, Ethnie, Geschlecht, Sexualität, Einkommen, Religion, etc. Die Wertschätzung von Intersektionalität bedeutet einfach, dass man sich selbst und andere vollständig wertschätzt und versteht. Wie Dr. Martin Luther King Jr. einst sagte: „Niemand ist frei, bis wir alle frei sind.“


Wir wissen, dass es ein sensibles Thema ist – aber möchtet ihr über eure persönlichen Erfahrungen mit Rassismus sprechen, als ihr noch in den Vereinigten Staaten gelebt habt?

Felicia: Ich bin in einem mehrheitlich weißen und ziemlich wohlhabenden Vorort von Massachusetts aufgewachsen. Das Thema Ethnie war in unserer Familie jeden Tag präsent, und meine Mutter scheute sich nie, mit meinem älteren Bruder und mir offen darüber zu sprechen. Auf diese Weise fühlte ich mich nie weniger wert aufgrund meiner Herkunft oder meines Geschlechts. Ich verstand, dass Rassismus eine schädliche Denkweise ist, die durch Medien, Literatur, Wirtschaft und Gesellschaft noch gefördert wird. Und heute bin ich froh, dass vermehrt Fortschritte in Richtung Inklusion gemacht werden.

Jason: Glücklicherweise bin ich von vielen negativen Erfahrungen verschont geblieben, aber es gibt ein paar, die hervorstechen. Eine besonders erschütternde war, als ich während des Studiums in einer Karaoke-Bar (ja, es ist wahr!) in Saint Louis arbeitete. Eine Kundin fühlte sich von einem schwarzen Barkeeper nicht genügend beachtet und beschwerte sich bei einer anderen Barkeeperin, die weiß war, und sprach über den Kollegen, indem sie das N-Wort nannte. Die weiße Barkeeperin verteidigte den Schwarzen Barkeeper und schmiss die Kundin raus. Die Barkeeperin wurde später wegen ihres unhöflichen Verhaltens gegenüber der Kundin gefeuert. Die Tatsache, dass der Chef der Bar sich für einen rassistischen Kunden einsetzte und nicht für zwei Mitarbeiter:innen, schockierte mich und brach mir das Herz. Ich kündigte den Job in der folgenden Nacht; ich wollte nicht mit einem solchen Unternehmen in Verbindung gebracht werden. Das ist jetzt fast 25 Jahre her und ich weiß immer noch, dass es die richtige Entscheidung war, zu kündigen, auch wenn ich als Student das Geld wirklich gebraucht hätte.


Da ihr nun in Deutschland lebt – ist es hier anders?

Jason: Ja und nein. Einerseits habe ich schon Seitenhiebe bekommen, die man nur als rassistische Voreingenommenheit bezeichnen kann. Einmal bei der Einwanderungsbehörde in Hamburg wurde der Ton und die Einstellung der Sachbearbeiterin viel angenehmer und respektvoller (oder besser gesagt, überhaupt angenehm und respektvoll), nachdem sie meinen blauen US-Pass gesehen hatte. Ich fühlte mich, als ob ich „nicht mehr zählte“, als sie sah, dass ich Amerikaner bin. Ich habe ähnliche Situationen bei der Passkontrolle in mehreren europäischen Ländern erlebt – allerdings nie in Deutschland. Andererseits war eines der inspirierendsten und herzerwärmendsten Dinge, die ich je erlebt habe, Deutschlands Aufnahme von einer Million Flüchtlinge in 2015 und 2016. Es hat mich super stolz gemacht, Teil dieser Gesellschaft zu sein. Und schlussendlich: „Wir haben es geschafft“ Ich denke, unterm Strich war meine Erfahrung in Deutschland extrem positiv und wohl besser als die in den USA.


Jason, du warst schon einmal Schützenkönig. Warst du damals auch stolz?

Jason: Ich war super stolz! Und eigentlich bin ich es immer noch. 2015 war ich Schützenkönig in einem winzigen Dorf in Niedersachsen namens Bröckelbeck und ich bin wirklich glücklich, auch ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Übrigens haben sie mich auch als Bürgerlichen sowie ihren König mit offenen Armen empfangen.


Was ist mit dir, Felicia? Wie fühlst du dich hier in Deutschland? 

Felicia: Jedes Land hat seinen eigenen speziellen gesellschaftlichen Themen, die es diskutieren und angehen muss, um die Miteinander für alle zu verbessern. Diese Arbeit ist so wichtig, weil es die Unterstützung der Mehrheit braucht, um selbst die kleinsten gesellschaftlichen Veränderungen zu erreichen.

Welche Tipps habt ihr in Sachen Allyship und Solidarität? Wie sollte man auf Rassismus in der Öffentlichkeit reagieren?

Felicia: Es ist wichtig für die Leute zu verstehen, dass es bei dieser Arbeit nicht darum geht, „Minderheiten“ per se zu helfen. Vielmehr geht es darum, zu verstehen, welche Systeme bestehen und den Fortschritt von marginalisierten Identitäten und Gruppen behindern. Ich glaube, der Einzelne sollte zunächst seinen Interessenkreis erweitern. Man kann diversifizieren, welche Medien man konsumiert, welche Bücher man liest, welche Podcasts man hört, etc. Sobald der Interessenkreis erweitert wurde, kann man dann seinen Einflusskreis vergrößern, indem man seine Freundeskreise, Kolleginnen und Kollegen, Empfehlungen usw. diversifiziert. All dies sollte auch außerhalb der Arbeit geschehen, damit es ein authentischer Ansatz auf individueller Ebene ist.

Jason: Sprecht es an, mischt euch ein! In den letzten Jahren, besonders in den USA, aber auch in Europa, ist es „salonfähig“ geworden, offen rassistisch zu sein. Es reicht also nicht aus, daneben zu stehen, den Kopf zu schütteln und wegzugehen.

Vielen Dank, Felicia und Jason, für das interessante Gespräch!


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