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The Keyword Deutschland

#12 Smartphones made in Germany – nicht ohne Google

Gigaset-CEO Klaus Wessing zusammen mit Google-CEO Sundar Pichai in Berlin im Januar 2019
Klaus Weßing mit Google-CEO Sundar Pichai

Wir sind stolzer Mittelständler. Seit 80 Jahren produziert Gigaset in Bocholt. In Nordrhein-Westfalen sind wir zuhause, unsere Kunden sitzen in rund 56 Ländern auf der ganzen Welt. Wir sind Europas Marktführer bei schnurlosen DECT-Telefonen – im Jahr 2020 hat das 220-millionste Gigaset-Telefon unser Werk verlassen. Die DECT-Funktechnologie, die heute weltweit im Einsatz ist, haben wir maßgeblich mitentwickelt. 

So beeindruckend diese Zahlen für uns und unsere 550 Expertinnen und Experten in Entwicklung, Design und Produktion auch sind, sind sie gemessen an denen von Google, aber eben nur die eines Mittelständlers. Eines stolzen mittelständischen Unternehmens aus Deutschland, das intelligente Kommunikationslösungen „Made in Germany“ herstellt.

Dementsprechend skeptisch waren die Stimmen, als wir erstmals die Partnerschaft mit Google gesucht haben: Google baut selbst Smartphones, das ist doch unser Konkurrent, hieß es. Mit unseren Smart-Home-Systemen würden wir ebenfalls im Wettbewerb stehen. Klar war aber auch: Wir suchten die beste Lösung für unsere Kunden. Google’s Android ist das weitverbreitetste mobile Betriebssystem auf der Welt, millionenfach im Einsatz, hoch akzeptiert von den Nutzern, mit den höchsten Sicherheitsstandards. Und Gigaset würde kein eigenes Betriebssystem entwickeln, das sich auf ähnlichem Niveau bewegt. Also lag der Schritt nahe: Die Zusammenarbeit mit Google. Ja, wir sind dort einer der Exoten. Mit Stückzahlen, die aktuell noch deutlich unter denen von Mitbewerbern liegen. Und vielleicht sind wir auch deshalb mit offenen Armen empfangen worden. Denn Android scheint wie gemacht für Unternehmen wie uns – mit überschaubarer Größe aber umso ambitionierteren Vorhaben.

Bei der Eröffnung des Hauptstadtbüros von Google in Berlin habe ich Google CEO Sundar Pichai im Januar 2019 erstmals persönlich getroffen. Wir haben uns über die Bedeutung von Android für mittelständische Unternehmen ausgetauscht. Bei all unserer Expertise und dem Streben von Gigaset nach Innovation und Perfektion für seine Kunden: Ohne die Zusammenarbeit mit Google hätten sich diese Pläne in Deutschland nicht umsetzen lassen. Es hätte kein SL930 gegeben, das erste DECT-Telefon der Welt mit Android-Betriebssystem, es hätte auch keine Tablets von Gigaset gegeben – ein früher Vorstoß in den Smart-Device-Bereich. Auch das Tischtelefon Maxwell 10 wäre nicht möglich gewesen – das IP-basierte HD-Videotelefon mit Touchscreen lief auf Android-Basis. Und das trifft auch auf den ehrgeizigsten all unserer Pläne zu: Wir wollten Smartphones in Deutschland bauen. In unserem Stammwerk im nordrhein-westfälischen Bocholt. Unternehmerisch höchst riskant, wirtschaftlich fragwürdig, langfristig nicht tragfähig – die Zweifler gaben dem Vorhaben nur eine geringe Chance. Doch wir wussten: Mit dem richtigen Software-Partner wird das funktionieren.

Frontansicht des Gigaset Maxwell 10, das Videotelefonie auf Android-Basis bietet

Das Gigaset Maxwell 10 ermöglicht Videotelefonie auf Android-Basis


Seit 2018 produziert Gigaset nun Smartphones „Made in Germany“. Unsere Fertigungslinien folgen dem Lean-Management-Ansatz, wir haben Co-Bots im Einsatz, Mensch und Maschine arbeiten Hand in Hand. Mit diesem Industrie 4.0-Projekt sichern wir anspruchsvolle Beschäftigungsangebote in der Region. Defekte Geräte können vor Ort bis auf Komponentenebene repariert werden – das schont die Ressourcen. Verpackungen und Bedienungsanleitungen werden von lokalen Zulieferern unter Berücksichtigung von ökologischen Aspekten bezogen. Und mittlerweile sind wir eine feste Größe im Preis-Leistungs-Segment: Unser aktuelles Modell GS4 hat Features wie Wireless Charging, einen wechselbaren Akku und NFC für kontaktloses Bezahlen. Erst im Mai 2021 urteilte das Technikmagazin CHIP im Einzeltest: gut! Kostenpunkt des Geräts: 229 Euro. Und das trotz der Fertigung in Deutschland. Es geht also. Doch diesen fairen Preis für ein qualitativ hochwertiges Produkt macht nur die Zusammenarbeit mit Google möglich. Beim Einschalten zeigt der Smartphone-Screen: „Gigaset – powered by Android“

Frontansicht des Gigaset GS4

Das Gigaset GS4 – made in Germany

Unternehmerische Größe zeigt sich unseres Erachtens auch dadurch, dass man die eigenen Grenzen kennt und selbstbewusst strategische Partnerschaften eingeht. Google und Gigaset haben neben dem Anfangsbuchstaben vor allem das Bestreben gemeinsam, den eigenen Kunden stets das Beste bieten zu wollen. Darin waren Sundar Pichai und ich uns einig. In Berlin haben wir unsere weitere Zusammenarbeit mit Handschlag besiegelt – in Zeiten, in denen das noch möglich war. Das nächste Smartphone „Made in Germany“ von Gigaset kommt bestimmt. Natürlich mit Android. 


Porträtfoto von Christoph Richtsteig, Head of Android Platform Partnerships, DACH

Kommentar von Christoph Richtsteig, Head of Android Platform Partnerships, DACH:

Seit 2017 leite ich das Android-Plattform-Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gigaset ist in dieser Zeit zu einem wichtiger Partner im Smartphone-Geschäft herangewachsen, welchem die Expansion vom traditionellen Festnetz-Geschäft in den Smartphone-Bereich erfolgreich gelungen ist. Die lokale Zugehörigkeit zur Region, gepaart mit global agierendem Mindset ist tatsächlich beeindruckend zu erleben und herausragend in einem Geschäft, welches stark von Fernost dominiert wird. Die Manufaktur im niederrheinischen Bocholt verbildlicht dies besonders deutlich: Ein Smartphone „made in Germany“ zu produzieren, ermöglicht durch technischen deutschen Pioniergeist, um fokussiert lokale Kundenprobleme zu lösen – sowohl im stationären als auch mobilen Geschäftsbereich –, ist meiner Meinung nach einzigartig. Auf diese Partnerschaft sind wir besonders stolz und freuen uns auch in Zukunft auf wachsenden gemeinsamen Erfolg.