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20 Jahre Google Deutschland

#15 Geschichte erzählen, erinnern, entdecken – mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen auf YouTube

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Geschichte erleben, dafür steht das Haus der Geschichte. Mit Ausstellungen, Veranstaltungen, Online-Angeboten und Publikationen präsentieren wir in Bonn, Berlin, Leipzig und im Netz deutsche Geschichte bis in die Gegenwart. Wir sind überzeugt davon, dass die Beschäftigung mit Geschichte dabei helfen kann, die Gegenwart besser zu verstehen. Daher suchen wir stets nach der aktuellen Relevanz historischer Themen. Wir fragen, sortieren, geben erste Antworten und regen zur weiteren Auseinandersetzung an.


Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zum Beispiel sammeln wir auf unserem www.zeitzeugen-portal.de. Diese Video-Plattform, in der das ehemalige „Gedächtnis der Nation“ aufgegangen ist, basiert auf der erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Google-Tochter YouTube. Über den Start der Zusammenarbeit hatte ja in dieser Serie bereits Hans-Ulrich Jörges, einer der Gründer des Vorgängerprojektes, berichtet.

Ein Screenshot des Zeitzeugenportals

Unter www.zeitzeugen-portal.de finden sich über 1.100 Stimmen zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Foto: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland


Heute umfasst das Zeitzeugenportal mehr als 1.100 Interviews mit Personen der Zeitgeschichte und nicht-exponierten Menschen, die von ihrer historischen Erfahrung berichten. Die Erzählungen reichen vom Ersten Weltkrieg bis ins 21. Jahrhundert. Das Portal richtet sich an eine breite Zielgruppe: an Geschichtsinteressierte, Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrenden, an Multiplikatoren, Studierende und Wissenschaftler sowie Journalistinnen und Journalisten. Mit monatlich mehr als einer Million Videoabrufen im Durchschnitt gehören die Zeitzeugen-Erzählungen zu unseren meist nachgefragten Inhalten im Netz. Das Zeitzeugen-Portal ist nicht abgeschlossen. Wir arbeiten kontinuierlich daran, weitere Stimmen aufzunehmen.

Wenn Google Deutschland dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert, sieht man daran, dass auch so vermeintlich moderne Entwicklungen wie die Digitalisierung dabei sind, Geschichte zu werden. So gehörten vor 20 Jahren, also sagen wir im Jahr 2001, Smartphones noch nicht selbstverständlich zu unserem Alltag – das erste iPhone stellt Steve Jobs am 9. Januar 2007 vor. Genauso wenig ist man, als in New York zwei Flugzeuge von islamistischen Terroristen als fliegende Bomben in die Twin Towers gesteuert werden, in sozialen Medien unterwegs – Facebook wird erst 2004 gegründet, Twitter 2006. Im Jahr 2001 surft nicht die Hälfte aller Bundesbürgerinnen und Bundesbürger im Netz; heute sind es fast alle.


In den letzten 20 Jahren hat sich unser Alltag sehr stark verändert. Vor allem die Nutzung digitaler Technologien hat unser Leben in sozialer, kommunikativer, politischer, informationeller wie ökonomischer Dimension durchdrungen. Diese Digitalisierung ist ein grundlegender Wandlungsprozess unserer Gegenwart. Was passiert genau? Welche Prozesse laufen ab? Können wir in die Veränderungen eingreifen, sie steuern oder uns verweigern?

Ein Foto eines Roboters in einem Ausstellungsraum

Roboter und Drohnen: Digitalisierung ist auch bereits im Geschichtsmuseum angekommen. Foto: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland; Axel Thünker


Auf dem Zeitzeugenportal sind auch zum Thema „Digitalisierung“ bereits einige Stimmen vertreten, die vielfältige Aspekte beleuchten. Vom sehr dynamischen digitalen Wandel in der Medienbranche beispielsweise berichten gleich mehrere: Thorsten König etwa, ehemaliger Managing Director bei Universal Music, konstatiert 2014, dass die Musikindustrie bereits angesichts des neuen mp3-Formats und der Tauschbörse Napster die Zeichen des Wandels vollkommen verkannt habe. Der ehemalige Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, Karl Günther Barth, zeigt sich 2013 geschockt von der Wucht des negativen Nutzerfeedbacks im Netz: „Wir haben über das Internet eine Entfesselung der Moral und der Sitten. Wir nennen das Shitstorm.“ Andere Chefredakteure hingegen machen sich Gedanken über die ökonomischen Folgen des Übergangs zum Online-Journalismus. Karl Dietrich Seikel erklärt 2013 für Spiegel online, dass es entscheidend gewesen sei, früh dabei geblieben zu sein, um Marktführer zu werden. Gleichzeitig ist Günther Bähr vom Focus überzeugt, dass es große Printmedien immer geben werde. Ob er das weiterhin so sehen würde?



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Was auf dem Zeitzeugenportal zum Thema „Digitalisierung“ noch fehlt, sind Stimmen von Frauen und Männern, die von ihren digitalen Alltagserfahrungen seit den 1990er Jahren berichten. Ihre vielfältigen Perspektiven zeigen das breite Spektrum an Faszination und Ablehnung, gleichzeitig Ungleichzeitigem und individueller Entwicklung. Wie war es, die erste E-Mail zu schreiben? Welche Seiten hat man im Netz besucht? Welche Spiele wurden gespielt? Wie sah der erste eigene Computer aus und was hat man damit gemacht?


Berichte über all diese und weitere Veränderungen könnten in unsere kommende Wechselausstellung #DeutschlandDigital Eingang finden, die ab Frühjahr 2022 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen sein wird. Die Ausstellung widmet sich der Genese und den tiefgreifenden Auswirkungen der Digitalisierung in Deutschland. Wie verändern sich Privatleben und Alltag, Wirtschaft und Arbeit sowie Politik und Gesellschaft angesichts von Big Data, Algorithmen und künstlicher Intelligenz? Chancen und Risiken, Fortschritt und Verweigerung – Ziel der Ausstellung ist es, besser erkennen und beurteilen zu können, was eigentlich gerade passiert.



Ein Portraitfoto von Katrin Hülsmann

Kommentar von Katrin Hülsmann, Head of YouTube Creator Ecosystem Germany: 

Ich hatte das große Glück, die Arbeit am Zeitzeugenportal auf YouTube von Anfang an, also inzwischen bereits rund zehn Jahre, zu betreuen. Als zuständige Managerin des Projekts im Partnership Team von YouTube Deutschland bestand meine Aufgabe zum einen darin, unsere Partner vom “Gedächtnis der Nation” (GdN) und später vom Haus der Geschichte bei zahlreichen Fragen rund um den Aufbau und Betrieb ihres YouTube-Kanals zu beraten. Zum zweiten habe ich immer wieder den Kontakt zu unseren Technikteams hergestellt, wenn größere Veränderungen am Kanal und dessen Auftritt anstanden. So war insbesondere der “Umzug” des ehemaligen GdN-Kanals auf das neue Zeitzeugenportal des Haus der Geschichte vor rund vier Jahren eine größere “Übung”. Gemeinsam sind wir stolz, dass das Portal nicht nur auf eine große Zahl monatlicher Abrufe kommt, sondern mit über 66.000 Abonnenten eine wirklich stattliche Zahl von “Fans” aufbauen konnte. Für uns ist das ein schöner Beleg, dass diese zeitgeschichtlichen Interviews auf YouTube ebenso ihren Platz haben wie all die anderen Inhalte, die man dort finden kann. Im Namen des deutschen YouTube-Teams bedanke ich mich bei Frau Dr. Rosenberger und ihrem Team für das Vertrauen und den schönen Artikel. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit!

Kathrin Hülsmann steht vor einem Bus