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20 Jahre Google Deutschland

#14 Das Street-View-Wunder von Oberstaufen

Article's hero media

Erinnern Sie sich noch? Vor ziemlich genau elf Jahren war Street View das Sommerloch-Thema Nummer eins in Deutschland. Angst und Empörung waren die vorherrschenden Emotionen in Bevölkerung und Medien, wenn es um die 360-Grad-Ansichten aus der Straßenperspektive ging, die nun auch hierzulande Google Maps und Google Earth erweitern sollten. Die viel zitierte „German Angst“ machte sich breit, Umfragen zufolge waren damals über 52 Prozent der Deutschen “gegen Street View”. Auch Datenschützer und Politiker des Landes befeuerten die Diskussionen, es gab zudem viele Missverständnisse, was die Technik bei Street View eigentlich macht - und was nicht. 


Wir Marketing-Verantwortlichen in Oberstaufen im Allgäu hingegen konnten die Diskussionen nicht verstehen. Wir sahen keinen Grund, der gegen Street View sprach. Warum sollten die Google-Kameras keine Fotos von unserem idyllischen Urlaubsort machen, um sie für uns kostenfrei auf einer der wichtigsten Internetseiten der Welt zu veröffentlichen?


Das wollten wir dann auch kundtun und veröffentlichten am Sonntag, den 15. August 2010 bei Facebook und bei Twitter ein Foto von unserer selbst gebackenen Street-View-Torte als süße Versuchung und Einladung an Google - um nach Oberstaufen zu kommen und für Street View zu fotografieren.

Ein Bild der Street View Torte

Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten: dass das Google-Auto schon längst bei uns gewesen war. Umso überraschter war ich, als ich am 24. August 2010 per Twitter eine Nachricht vom damaligen Pressesprecher von Google Deutschland erhielt. Schnell verabredeten wir uns zu einem Telefonat…

Ein Bild des Street View Autos

Das Street View Auto vor der malerischen Kulisse von Oberstaufen

Ab diesem Tag stand fest; Oberstaufen wird der erste Ort in Deutschland, den Google in Street View freischaltet. Dies passierte am 2. November 2010. Ein Tag, den ich nie vergessen werde und an dem wir uns jedes Jahr aufs Neue nostalgische Nachrichten schicken, die “Google-Jungs” und ich. 


Bei unserer Pressekonferenz “stapelten” sich rund zehn TV-Teams sowie Radio- und Zeitungsreporter aus ganz Deutschland. Unsere Google-Torte in “extra large” fand reißenden Absatz, draußen auf der Wiese wurden die Alphörner geblasen und Wieland Holfelder von Google schaltete mit einem zünftigen “O’viewed is’!” die digitalen Ansichten von Oberstaufen für die Öffentlichkeit frei. 

Ein Foto von Wieland Holfelder und Oberstaufens Bürgermeister Walter “Bürgi” Grath, die Interviews vor Kameras geben

Laptops, Lederhosen und Allgäuer Alphörner - Wieland Holfelder und Oberstaufens Bürgermeister Walter “Bürgi” Grath beim “Countdown” für Google Street View (November 2010)

Zwei Wochen später wurden dann auch die Street-View-Bilder von 20 deutschen Großstädten im Netz veröffentlicht. Zu diesem Anlass waren wir Allgäuer auch nach Hamburg eingeladen, und wenige Wochen später dann nach London. 

Eine Collage von Bildern des Oberstaufen-Teams

Und dass wir für unsere kleine Aktion dann auch noch den “Oscar der PR-Branche”, den PR-Award 2011 in der Kategorie “Corporate Media”, erhielten, war dann natürlich das “Sahnehäubchen” auf unserer Google-Torte.

Ein Foto der Preisübergabe beim PR-Award 2011

Benjamin Buhl, Walter Grath, Bianca Keybach, Pia von Sicherer & Moderatorin Ruth Moschner

In diesem Spätsommer und Herbst 2010 war vom ersten Kontakt an sowie bei allen Beteiligten von Google und Oberstaufen eine echte Verbundenheit zu spüren, aus der Freundschaften entstanden sind. Wir besuchen uns gegenseitig, wenn wir in der Nähe des anderen sind. Ich war sogar zu Wieland Holfelders 50stem Geburtstag eingeladen. Als Geschenk brachte ich natürlich die Allgäuer Alphornbläser mit.


„Oberstaufen und Google – da haben sich zwei gefunden“, berichtete das kritische, satirische Wochenmagazin quer des Bayerischen Fernsehen. 


Aber warum kam Google 2010 überhaupt nach Oberstaufen? Und warum sind die Verantwortlichen von damals immer noch freundschaftlich verbunden? 


Der erste entscheidende Schritt war die Mentalität der Aufgeschlossenheit der Oberstaufener. Walter Grath, langjähriger Bürgermeister der Marktgemeinde ist sich sicher, dass die Landschaft die dort lebenden Menschen mehr prägt als man glaubt. Die geografische Lage in Oberstaufen eröffnet eine gewisse Weitsicht. Hinzu kamen Offenheit  und Mut – aus dem Allgäu genauso wie in den Google-Büros in Hamburg und München.


Ich bin überzeugt davon, dass dieses einzigartige und erfolgreiche Event vor elf Jahren unseren gemeinsamen Werten zu verdanken ist.


Google ist ein weltumspannender Internet-Riese. Und die Basis ist doch menschlich. Die Verantwortlichen, die das Unternehmen repräsentieren und die ich kennen wie auch schätzen lernen durfte, sind übrigens immer noch dieselben wie damals. Beispielhaft seien Wieland Holfelder, Kay Oberbeck, Ralf Bremer und Philipp Schindler genannt. Ich sehe bei Google Beständigkeit und ja, auch eine gewisse Bodenständigkeit. Das hört sich sehr nach den Allgäuer Werten an, die die Allgäu GmbH in ihrem Markenkern zusammengefasst hat, und die ich zu einem großen Teil auch bei Google - meinem “Lieblingstechnologieunternehmen” - wieder erkenne:


  1. EHRENWERT
    im Sinne von wahrhaftig, rechtschaffen, solide, geradlinig

  2. FRIEDLICH
    im Sinne von umgänglich, „Stolz ohne Eitelkeit“ sowie „geben und nehmen“

  3. ORIGINELL
    im Sinne von echt, pfiffig, erfinderisch, eigenwillig, schelmisch

  4. FRISCH
    im Sinne von neu, luftig und innovativ

Ein Foto von Wieland Holfelder (Entwicklungschef Google Deutschland), Bianca Keybach (Ehemalige Tourismus-Chefin Oberstaufen) und Walter Grath (Ehemaliger Bürgermeister Oberstaufen)

Ein Wiedersehen im August 2021 bei Google München im Original-Outfit von einst: Wieland Holfelder (Entwicklungschef Google Deutschland), Bianca Keybach (Ehemalige Tourismus-Chefin Oberstaufen) und Walter Grath (Ehemaliger Bürgermeister Oberstaufen) 

Weil wir uns nach wie vor so gerne mögen und uns immer freuen, uns zu sehen, haben wir drei von damals, der “Bürgi”, der Wieland und ich, uns nochmal in das Outfit vom November 2010 gezwängt. Dieses Mal trafen wir uns nicht im Allgäu sondern im Google Büro in München. Zwar sind wir alle a bissle älter geworden und gleichzeitig doch dieselben geblieben. Auf jeden Fall ehrlich freundschaftlich verbunden mit derselben Wertebasis – im Allgäu wie auch bei Google.




Ein Foto von Wieland Holfelder heute, der ein Bild von dem Event in Oberstaufen in den Händen hält

Kommentar von Wieland Holfelder, Entwicklungschef Google Deutschland:

Ich kann mich den Worten von Bianca Keybach nur anschließen: mit Oberstaufen und Google haben sich in der Tat zwei gesucht und gefunden. Inzwischen bin ich über 13 Jahre bei Google und habe in dieser Zeit viele besondere Momente erleben dürfen; die gemeinsamen Tage in Oberstaufen zählen jedoch ohne Frage zu meinen persönlichen “Highlights”. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich am Abend vor der Pressekonferenz mit meinen Kollegen Ralf Bremer und Kay Oberbeck im Restaurant des Hotels “Haubers” zusammensaß, um den Ablauf am nächsten Tag zu besprechen. Spätestens, als uns zu etwas späterer Stunde auch noch der Slogan “O’viewed is’” einfiel, konnten wir den Start von Street-View-Oberstaufen kaum noch erwarten. Die Allgäuer haben uns damals wie heute mit ihrer Offenheit und Zugewandtheit zu digitaler Technologie begeistert. Damit waren sie definitiv ihrer Zeit voraus. Uns bei Google war während der ganzen Zeit wichtig, auch bei Street View die hohen Anforderungen in Sachen Datenschutz in Deutschland zu erfüllen. Es ist kein Geheimnis, dass wir seit 2010 keine neuen Aufnahmen von Deutschlands Straßen im Netz veröffentlicht haben. Vielleicht wird es also mal wieder Zeit für eine neue “Google-Torte” ,-)